Im Rheingold-Dancing, mitten im Herzen des Kurstädtchens, tanzt der Tee bis die Darjeeling-Brühe schwappt, die Krücken klappern und die osteoporotischen Knochen knistern und krachen. Im Takt des Dance Macabre verhaken die Untoten ihre Rollwägelchen. Sie drehen und taumeln irre um und um, schneller und schneller - und die erlesene Gesellschaft der bleichen Gestalten merkt nicht, dass der Tanzpalast der Fluffy Fifties im Zentrum des Staatsbades an den Ufern der Salze seit Jahrzehnten geschlossen ist.
Der Staub schichtet sich Knochenfinger hoch auf Brokatdeckchen und Silbertabletts. Die schale Plüsch-Pracht - dahin. Die Kristall-Lüster auf Halbmast, die Tütenlämpchen krumm und schief. Die Telefone auf den Nierentischen sind verstummt.
Nur der hohlwangige altehrwürdige Ober mit seinem eindrucksvollen Buckel in seinem Frack über dem Gerippe wartet unentwegt auf Gäste, die richtig leben und ihre Zeche zahlen. Vergebens das Rheingold gehört den Untoten.
Als bekennender Tanz-Muffel grüßt
Ihr Norbert Jos Maas
euer Jos
Zu Teil 1 der KurSkizzen: Eine Liebeserklärung? Eine Liebeserklärung!
Zu Teil 2 der KurSkizzen: Kleine Zoologie der Kurgäste und anderen Untoten
Zu Teil 4 der KurSkizzen: Metropole der Rollatores
Zu Teil 5 der KurSkizzen: Auch der Fahrstuhl hat eine Seele
Zu Teil 6 der KurSkizzen: G'schichten aus dem Fahrstuhl - Fortsetzung

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